Abstrakte grüne Papierfiguren von Menschen, die sich an den Händen halten.
Finalisten-Logo des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Gesundheit 2025.

Handlungsfeld Medikamente

Warum ist das Handlungsfeld Medikamente wichtig?

Global gesehen ist die pharmazeutische Industrie für mehr Emissionen verantwortlich als die Automobilindustrie. Auch wenn in Deutschland eine genaue Erfassung der durch den Pharmasektor verursachten Emissionen bislang fehlt, zeigen die Berechnungen anderer Länder, wie England oder Österreich, dass pharmazeutische Produkte ca. 20 % der Emissionen im Gesundheitswesen ausmachen.


Neben den Treibhausgasemissionen stellen auch Arzneimittelrückstände, insbesondere im Wasser, eine Bedrohung für die menschliche Gesundheit und die Umwelt dar. Die Überwachung dessen wird als Ökopharmakovigilanz bezeichnet. Einer Analyse des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge wurden im Jahr 2016 bereits 16 pharmazeutische Wirkstoffe in Oberflächen-, Grund- und Trinkwasser aller Weltregionen nachgewiesen; allen voran das Schmerzmittel Diclofenac – dieses oft in ökotoxikologisch relevanten Konzentrationen. Insgesamt wurden in den untersuchten Regionen 631 Wirkstoffe gefunden. Dabei bilden die offiziellen Zahlen nur einen Teil der tatsächlichen Wasserverunreinigung ab, da in vielen Teilen der Welt keine ausreichenden Messdaten vorliegen.

Siehe auch: CPHP Policy Brief 01-2023 (PDF-Datei)

Arzneimittel und Medizinprodukte verursachen einen erheblichen Teil der Treibhausgasemissionen im Gesundheitswesen. Gleichzeitig werden Klima- und Umweltaspekte bei Auswahl, Verordnung, Anwendung und Entsorgung bislang nur begrenzt berücksichtigt – auch, weil verlässliche Daten und praxisnahe Orientierungshilfen oft fehlen.

An dieser Stelle setzt UKAM an – die Plattform für umwelt- und klimafreundliche Arzneimittel und Medizinprodukte unter dem Dach von KLUG. UKAM bringt Akteur aus Gesundheitswesen, Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zusammen, um die Auswirkungen von Arzneimitteln und Medizinprodukten auf Klima und Umwelt systematisch zu verringern.

Im Mittelpunkt stehen konkrete Aktionsbündnisse, in denen Projekte, Schulungsangebote, Studien und Dialogformate entwickelt werden. Ziel ist es nicht nur, Transparenz und Wissen zu schaffen, sondern konkrete Veränderungen in der Versorgungspraxis anzustoßen – etwa durch Schulungen, die Entwicklung neuer Instrumente, die Verbesserung von Verordnungs- und Beschaffungsprozessen oder die stärkere Berücksichtigung von Klima- und Umweltaspekten in der Regelversorgung.

UKAM versteht sich als offene Plattform und lädt Organisationen wie Expert dazu ein, eigene Themen, Erfahrungen und Ideen einzubringen. Die Plattform wird durch Beiträge von Organisationen, Fördermittel sowie projektbezogene Unterstützung aus dem Gesundheitssektor ermöglicht. Unterstützer und Sponsoren sind: AstraZeneca GmbH, Chiesi GmbH, Berlin Chemie AG, Orion Pharma GmbH. 

Die gemeinsame Erklärung des Aktionsbündnisses „Patient:innenfreundliche und klimabewusste Verordnung von Inhalativa bei chronisch obstruktiven Atemwegs- und Lungenerkrankungen“ setzt sich für eine bessere Versorgung von Patient und gleichzeitig für mehr Klimaschutz ein. Organisationen und Einzelpersonen können die Erklärung weiterhin unterzeichnen.

Ausgehend von dieser gemeinsamen Erklärung ist mit dem Aktionsbündnis Inhalativa das erste Projekt der UKAM-Plattform gestartet. Ziel ist es, die Verordnung und Anwendung inhalativer Arzneimittel patient:innenfreundlicher, leitliniengerechter und klimabewusster zu gestalten.

Inhalative Arzneimittel bieten einen besonders großen Hebel für mehr Klimaschutz im Gesundheitswesen: Pulverinhalatoren und Dosieraerosole unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer Klima- und Umweltauswirkungen. Gleichzeitig sind in Deutschland Millionen Menschen mit Asthma und COPD auf inhalative Therapien angewiesen. Das Aktionsbündnis arbeitet deshalb an konkreten Veränderungen in der Versorgungspraxis – unter anderem durch Schulungen, Forschung zur Verordnungspraxis, die Entwicklung transparenter Umweltinformationen zu Inhalativa sowie den Austausch zwischen Fachgesellschaften, Krankenkassen, Politik, Patient:innen und Industrie.

Ansprechpartner*innen

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Dr. med. Anne Hübner

info@klimeg.de